Fahren nach Farben

Polycontact bringt Lenkräder zum Leuchten: Thomas Zaugg entwickelt mit seinem Team innovative optische Warnsysteme für Autos.

Es klingt auch 2020 immer noch etwas nach Zukunftsmusik, die Sache mit dem halbautonomen oder sogar vollautonomen Fahren. Während man vor 15 Jahren noch davon träumte, der Wagen möge im Stau doch bitte selber hinter dem Vordermann herschleichen, weil man die Zeit so gut nutzen könnte, um sich in die Sitzungsnotizen einzulesen oder sich meditativ in der Landschaft zu verlieren, ist dies heute nicht mehr halb so utopisch wie damals.

Denn wenn man aus dem Sitzungszimmer dem vorbeiziehenden Verkehr zuschaut, sollte man sich vor Augen halten: Tatsächlich sind schon viele der heutigen Fahrzeuge halbautonom oder zumindest halbautomatisch. Das endet beim selbstständigen Steuern und Fahren und beginnt bei Sensoren, die merken, ob man angeschnallt ist oder nicht – und in fast allen Modellen von Mercedes, Porsche, Audi oder VW sind Schalter oder Sensoren von Polycontact verbaut, Millionen davon weltweit. Waren es bisher also etwa Gurtschlussschalter oder Sensoren für Cabriodächer oder Spoilerverstellungen, liegt die Herausforderung für Thomas Zaugg als Chef der Entwicklungsabteilung des Churer Unternehmens seit fast drei Jahren bei einer weiteren Innovation: optischen Warnsystemen für autonomes Fahren. Genauer: bei einer im Lenkradring eingebauten LED-Anzeige, die dem Autofahrer neben dem akustischen Signal Bescheid gibt, wenn es Zeit wird, wieder selber ins Geschehen einzugreifen.

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Entscheidendes Feintuning

Die Farben dafür sind so entscheidend wie intuitiv: Grün heisst, dass man sich entspannen kann, rot bedeutet aufgepasst. «Das klingt simpel», sagt Thomas Zaugg. Aber so sei es mit vielen Schaltern oder Sensoren. «Die Hexerei ist es, sie so zu konzipieren, dass man möglichst tiefe Kosten in der Produktion hat und das Produkt bei jeder Temperatur und jedem Wetter funktioniert. Also zu hundert Prozent, weil Menschenleben davon abhängen.» Und es kommen im Entwicklungs- und Fertigungsprozess weitere Herausforderungen dazu: Das Licht soll homogen sein und den Fahrer nicht stören, nachts soll es weniger hell sein als am Tag, und die Applikation wie auch ihre Bauteile müssen crashsicher sein.

Der Trend geht generell hin zur Elektrifizierung von Autos – Infotainment und Entertainment im Fahrzeug sind praktisch vom Kleinauto bis zur Limousine der Luxusklasse Standard geworden. Die Bedürfnisse ändern sich, und der Bedarf wächst. Es sind also vor allem die Entwicklungsbereiche Optik und Elektronik, die in Zukunft bei Polycontact ausgebaut werden. CEO Hanspeter Gauer erklärt: «Als kleine Firma mit 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an zwei Standorten in der Schweiz und im EU-Land Rumänien sind wir dafür ideal aufgestellt. Wir können schnelle Lösungen bringen, die innovativ sind.»

 

In Riesenschritten zu mehr Fahrkomfort

Die Kundennachfrage ist riesig und der Fortschritt schnell, viel schneller als bei bisherigen Entwicklungen in der Autoindustrie. Ging es früher mit allen Sicherheitstests und Zulassungsverfahren gute sechs Jahre von der Präsentation bis zur serienmässigen Einführung eines Features, sind es heute vielleicht noch drei bis vier Jahre. Seit einem ersten Kontakt an einer Kundenmesse 2017 und dem Messemuster an der IAA 2019 ist Polycontact sowohl im Werk in Chur als auch in Rumänien ununterbrochen mit der Entwicklung, Optimierung und Produktion des neuen optischen Warnsystems beschäftigt. Der Serienstart für das LED-Lenkrad ist bereits für 2022 geplant, in einem Fahrzeug der Luxusklasse, deren Marke Hanspeter Gauer noch nicht kommunizieren darf. Es ist meistens so, dass solche Innovationen in der Luxusklasse starten und dann, mit etwas Verspätung, zum Standardfeature werden, das auch in den anderen Klassen zum Einsatz kommt. Für das LED-Lenkrad von Polycontact stehen die Zeichen also auf «volle Fahrt voraus» – auch dafür, dass der Durchschnittsfahrende bald ab und zu beruhigt die Hände vom Lenkrad nehmen kann.

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