Die Wissenschaft beschleunigen

INTEGRA entwickelt im bündnerischen Zizers unverzichtbare Werkzeuge für die Life-Science-Labore dieser Welt: intuitiv bedienbare Pipettiersysteme und andere Laborgeräte. Seit Monaten läuft die Produktion auf Hochtouren.

Es klingt erstmal paradox: Die Welt kommt fast zum Erliegen, und das Geschäft von INTEGRA Biosciences im bündnerischen Zizers prosperiert. Bestehende Mitarbeiter werden zu Wochenendeinsätzen aufgeboten, neue Mitarbeitende eingestellt. «Über Nacht mussten wir mehr produzieren», erinnert sich Thomas Granzotto, «während manche unserer Lieferanten dichtgemacht hatten.» Doch nicht alles, was paradox klingt, ist es auch: Denn bei INTEGRA Biosciences entstehen Pipettiermaschinen, die auf der ganzen Welt für die Covid-19-Tests wie auch für die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten eingesetzt werden.

 

Keine schlaflosen Nächte

Thomas Granzotto – bedacht, strukturiert, lösungsorientiert – verantwortet seit einem Jahr als Head of Instrument Production die Gesamtproduktion in Zizers. Rund 30 Mitarbeitende teilt der 35-Jährige so ein, dass die richtige Menge des richtigen Produkts zur richtigen Zeit in der richtigen Qualität am richtigen Ort sein kann. Vorbereitung ist alles in seinem Beruf: «Beruhigt nach Hause gehen», sagt er, «kann ich erst, wenn alle wissen, was am nächsten Tag zu tun ist.»

INTEGRA Biosciences produziert automatisierte Pipettiersysteme und andere Laborgeräte für die Diagnostik, Forschung und Entwicklung im Life-Science-Bereich. Oder: «Schaufel und Pickel für Labore», wie es Geschäftsleitungsmitglied Alex Studer nennt. Mit diesen graben Labore rund um den Globus nach den Ursachen von Alzheimer und Krebs, oder eben: nach Wirkstoffen gegen Covid-19.

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«Schlaflose Nächte gab es keine», sagt Granzotto, obwohl sich die Nachfrage nach Tests und damit auch nach ihren Produkten während der Pandemie verdoppelt habe. Gewissermassen sei das Daily Business einfach weitergegangen. INTEGRA war gerüstet. Zwar nicht für eine Pandemie, aber die Schienen in Richtung mehr Output waren gelegt. Immer wieder seien die Prozesse in den letzten Jahren an neue Normalitäten angepasst worden. «Ich war und bin sehr zuversichtlich, dass wir die Krise meistern.» Seine Zuversicht rühre vor allem von einem Urvertrauen ins Team her: «Die Gemeinschaftlichkeit, das Miteinander hier ist beeindruckend.» Zur Prosperität des Unternehmens trage jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter einen Teil bei.

«Wir haben bei INTEGRA die Freiheit, innovativ zu sein.»

«Unser Erfolgsgeheimnis ist», sagt Alex Studer, «dass wir die Marktlücke zwischen Automation und manuellen Arbeitsprozessen erkannt und mit Swiss Engineering erschlossen haben.» 1965 gegründet, gehört INTEGRA inzwischen zu den international führenden Anbietern von Laborgeräten für das Liquid-Handling und die Nährmedienherstellung in der Life-Science-Forschung. Das Wachstum der letzten Jahre lag jeweils zwischen zehn und zwanzig Prozent. Erst im August 2019 hat die Firma ihre Büro- und Produktionsfläche in Zizers verdoppelt. Das Land für die nächste Expansion ist bereits gekauft. «Die Frage ist nur noch, in welchem Ausmass gebaut wird», so Granzotto. «Aber wir wissen auf jeden Fall, wo die Reise hingeht.» Ein Treiber des Erfolgs: Jeder zehnte Franken fliesst in die Innovation.

 

Intuitiv und zuverlässig

Keine Idee, die dem Geschäft diene, werde verworfen, sagt Thomas Granzotto. «Wir haben hier die Freiheit, innovativ zu sein.» Aus dieser Freiheit heraus entstand auch die Software, mit der die Pipettiersysteme gesteuert werden. «Ein bisschen wie Lego Technic» sei die Bedienung der Geräte: intuitiv und zuverlässig. Das Benutzerinterface funktioniert über alle Typen hinweg ähnlich. Mit dem jeweils entsprechenden Gerät lassen sich so bei Bedarf ebenfalls grössere Mengen an Proben innert kürzester Zeit abwickeln – auch automatisiert. Denn: «Wo Menschen im Spiel sind, passieren Fehler.»

Der Lockdown ist zum Glück Geschichte. «Von meinen Mitarbeitenden gab es nie ein Murren», sagt Granzotto rückblickend, «trotz Sonderschichten.» Sie hätten gewusst, dass das, was sie hier tun, einen Wert habe. Nicht nur für die Firma, sondern auch ein bisschen für die Welt.

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