Die Konstanten leben

Gabriela Fisch lebt ein Leben abseits des Spektakels. In Graubünden konzentriert sie sich im Kleinen auf die grossen Konstanten: Familie, Natur, Beruf.

Drei Jahre lang pendelte Gabriela Fisch täglich von St. Gallen nach Zürich, vom Elternhaus an die ETH. «Man muss gar nicht umsteigen», begründet sie ihre Entscheidung. Es sind die kleinen Dinge, die die grossen Bahnen ihres Lebens bestimmen. Gabriela Fisch als Enthusiastin zu bezeichnen, wäre daher wohl zu hoch gegriffen. Und doch: Es wäre auch falsch, es nicht zu tun.

 

120 Millimeter Länge, 12 Millimeter Schaftdurchmesser, ein Sensorkopf, vollgepackt mit Elektronik. Die Dimensionen, in denen sich Gabriela Fisch beruflich bewegt, sind überschaubar. Bei Hamilton im bündnerischen Bonaduz widmet sich die 27-Jährige dem Erforschen und Entwickeln von neuen Prozesssensoren. «Als ich den Job angenommen habe, wusste ich nicht, was mich erwartet.» Heute schätzt sie vor allem die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Auf jedem Projekt arbeitet ein anderes Team, jedes Team ist anders zusammengesetzt: Chemiker, Physiker, Elektrotechniker, Maschinenbauer. Was gleich bleibt: In allen davon bringt Gabriela Fisch die Sicht der Mechanik ein. «Wäre ich nur von Maschinenbauern umgeben, könnte ich wohl nicht so viel dazulernen.»

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In den Teams entwickeln sie beispielsweise Sensoren für die Biopharma. «Damit der Wirkstoff entstehen kann, der entstehen soll», bricht Gabriela Fisch das Ziel ihrer Arbeit in die Alltagssprache runter. Im Berufsjargon: Die Sensoren überwachen in Echtzeit alle kritischen Parameter, die zur Überwachung von Bioprozessen benötigt werden, so unter anderem gelösten Sauerstoff, pH-Wert, Zelldichte und Leitfähigkeit. Dadurch wird der Prozess steuerbar. Von der ersten Idee bis zur Umsetzung vergehen Jahre. Bis dahin heisst es: entwickeln, ausprobieren, entwickeln, ausprobieren – oder: «tüfteln», wie es Gabriela Fisch nennt. So lange, bis die erst zentimeterbreiten Sensoren lediglich 12 Millimeter messen.

 

Gabriela Fisch sagt, es sei Zufall, dass sie in ihrem Beruf gelandet sei. Zufällig besuchte sie einen Sprungbrettevent des Kantons Graubünden, zufällig interessierte sie sich für Hamilton, zufällig war dort gerade eine Stelle zu besetzen. Doch trotz aller Zufälle: Die Maschinenbauerin Gabriela Fisch ist ein Mensch der Konstanten. Schon als Kind begeisterte sie die Produktion, die ihr Vater leitete. Jeweils am Tochtertag war sie bei ihm, später dann auch in den Sommerferien, um dort zu arbeiten. «Die Leute kannten mich mittlerweile schon.» Später belegte sie das Schwerpunktfach Mathematik und Physik. Nicht aus Leidenschaft, wie sie betont, obwohl «dort nur sehr wenige Frauen waren». Aber von Interesse, davon könne man durchaus sprechen.

Ihre Familie war es auch, die eine zweite Konstante in Gabriela Fischs Leben brachte: das Wandern im nahe des Elternhauses gelegenen Appenzeller Alpstein. Noch heute ist sie regelmässig in den Bergen. Mit der Familie, mit ihrem Freund. Und einmal jährlich begleiten sie ihre ehemaligen Studienkollegen: sechs, sieben Stunden gehen, übernachten in einer Berghütte, sich gut verköstigen, am nächsten Tag wieder hinunter, mit viel Gelächter und anschliessendem Muskelkater. «Nur dieses Jahr konnten wir keinen Termin finden, der für alle passt», sagt sie.

 

Steht bei der Arbeit ein neues Projekt an, springt Gabriela Fisch jedes Mal aufs Neue ins kalte Wasser. Wenn es darum geht, die Produkte ihres Arbeitgebers noch günstiger, noch zuverlässiger zu machen – vor einem Jahr aber auch, als es darum ging, mit nur 26 Jahren die Leitung eines Teams zu übernehmen. «Die Aufgabe kam überraschend», sagt sie. Doch dort, wo es etwas zu lernen gibt, sieht Gabriela Fisch ihren Platz. Als sie die Führungsrolle übernommen hatte, stellte sie eine Bedingung: «Ich wollte unbedingt weiterhin entwickeln.» Gabriela Fisch ist Pragmatikerin. Und doch wäre es falsch, ihr Enthusiasmus abzusprechen.

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