Leben in Balance

Tansania, Indonesien, Singapur, Deutschland, Schweiz – David Meiers Biografie ist eine globale. Doch zwei Dinge halten den 34-jährigen Innovator seit sieben Jahren in Graubünden.

Wenn der Gleitschirm auf dem Gras ausgebreitet ist und die Leinen in der Hand liegen, tritt man so weit nach vorne, bis der Widerstand zu spüren ist. Man rennt, dem Tal entgegen, lässt die Leinen und die Angst hinter sich. Und hebt ab. «Ein gewaltiges Gefühl», sagt David Meier und spricht von Ruhe, von Freiheit, von Erhabenheit. «Beim Fliegen bist du in einer anderen Welt.» Doch eine andere Welt kann nur existieren, wenn es auch diese Welt gibt. Und in dieser Welt ist David Meier Ehemann, Familienvater, Innovator.

 

Auf dem Dach des Technologieunternehmens Gritec thront, umgeben vom Bündner Bergpanorama, ein verglastes Sitzungszimmer. Ist David Meier in diesem Raum, sucht er nach den Schnittstellen zwischen dem Wissen seines Arbeitgebers Gritec und jenem des Kunden. Innovation könne nur entstehen, wenn man die passenden Methoden, Techniken und Tools finde und kombiniere, sagt er. Als Leiter Innovation führt er die Kreativworkshops und definiert die Bahnen, in denen sich Gedanken bewegen, um diesen Punkt zu erreichen. Eine kommunikative wie vielfältige Arbeit. «Jedes Projekt bringt etwas Neues.» Mal denkt er über Medizinaltechnik nach, mal über Industrieautomation, mal über Generatoren. Und obwohl er seine Aufgabe als beendet sieht, wenn der Kunde das Sitzungszimmer im Tal wieder verlassen hat: Am Schönsten sei es, wenn die dort erarbeiteten Ideen auch tatsächlich umgesetzt werden. .

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Vor sieben Jahren ist David Meier zu Gritec gekommen, seine erste Stelle nach dem Studium. Eine lange Zeit, in Anbetracht des bisherigen Lebens des 34-Jährigen: geboren in Daressalam, Tansania, Kindheit im Zürcher Oberland, danach für vier Jahre in Indonesien, Schule in Singapur, Pfäffikon und Basel, Studium in Zürich und Praktikum in Deutschland. «Ich bin dort daheim, wo ich gerade bin», sagt er. «Im Moment ist das Graubünden.» Geholfen hat dabei auch die berufliche Vielfalt. Bei Gritec eingestiegen ist er als Entwickler, nach zwei Jahren stiess er zum Führungsteam, heute verantwortet er den Innovationsbereich. «Ich brauche Herausforderungen und muss mich einbringen können.»

 

Nach Graubünden kam er wegen dem Job. Geblieben ist er aber auch, weil er hier seine Lebenspartnerin kennenlernen durfte. Seit zwei Jahren sind sie nun schon Eltern einer Tochter, im Juli 2020 kam die zweite Tochter zur Welt. Jeden Mittwoch bleibt David Meier daheim im wenige Kilometer vom Arbeitsort entfernten Igis. Bewusst nimmt er sich die Zeit, um bei der Familie zu sein. «Das ist mir wichtiger, als nur Karriere zu machen.» Einzig das Fliegen, das käme neben Beruf und Familie etwas zu kurz. Mindestens einen halben Tag brauche er Zeit, um das Naturerlebnis in vollen Zügen geniessen zu können.

 

Das erste Mal, als David Meier mit dem Gleitschirm abheben wollte, war 2006. Auf dem glarnerischen Elm, am zweiten Tag der Ausbildung. Es liegt Schnee, der Landeplatz ist nicht zu sehen. «Ein mulmiges Gefühl», erinnert er sich. Er rennt los, bereit zum Absprung. Und muss abbrechen. Als Niederlage möchte er diese Situation trotzdem nicht einordnen. Man müsse Risiken abwägen und die eigenen Fähigkeiten einschätzen können, sagt er. «Beim Fliegen wie im Beruf.» Damals ging er den Berg ein zweites Mal hoch, legte den Schirm erneut aus, nahm die Leinen erneut in die Hand – und hob ab. Will man Neues kreieren und erreichen, muss man auch richtig scheitern können.

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