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«Mein Wissen ist in einem Produkt verewigt, das weltweit alle brauchen.»

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Ein Gespräch mit dem Projekt- und Verfahrenstechniker Franz Lanckau und Landqart-CEO Axel Wappler

Eine Banknote hatten wir alle schon in den Händen. Wie sie genau entwickelt wird, dürfen die wenigsten wissen. Axel Wappler, CEO, und Franz Lanckau, Projekt- und Verfahrenstechniker bei der Landqart AG, lüften aber das ein oder andere Geheimnis über die mysteriöse Welt des Hochsicherheitspapiers. Wir sprechen über kleine Kunstwerke und das Zusammenspiel zwischen traditionellen Berufen und innovativen Arbeitsweisen. ​

Schon der Weg in das Bündner Haus des Geldes gleicht einer Szene aus einem Agentenfilm. Nur mittels Fingerabdruck, Badge, Sicherheitsfreigaben und eines personalisierten Codes schafft man es in den Gebäudekomplex mitten in Landquart. Für CEO Axel Wappler und Projekt- und Verfahrenstechniker Franz Lanckau ist dieser Vorgang ein fester Bestandteil ihrer Morgenroutine. Nach einem Rundgang durch das riesige Baumwolllager, den hochgeschützten Maschinenraum und die modernen Materiallabore setzen wir uns zusammen.

Die Sicherheitsprotokolle, die verschlossenen Türen – das fühlt sich alles sehr geheimnisvoll an.

Axel Wappler: Generell ist es doch speziell, wenn man etwas entwickelt, das niemand rundherum wissen darf. Mit etwa 50 Firmen weltweit ist diese Industrie schon so etwas wie eine verschworene Gesellschaft. Und hier kommen wir wieder auf den Geheimnisaspekt zurück. Eine Banknote ist die Visitenkarte eines Landes. Wenn in Südostasien ein König einen Sohn bekommt, gibt es eine neue Banknote. Wie das Sujet aussieht, bespricht er mit seiner Familie, mit einem Designer und uns. Während dieses Prozesses dürfen wir nichts verraten.

 

Franz Lanckau (schmunzelt): Auch meine Frau weiss nicht genau, was ich mache. Ein Exot war ich als Papiertechnologe aber bereits als Lehrling. In der Schule ist man mit anderen Papiermacherinnen und Papiermachern zusammen, die Zeitungspapier, Druckpapier oder Zigarettenpapier herstellen. Ich, der Banknotenpapier herstellt, durfte nie erzählen, was ich genau mache. Auch meine Bachelor- und Masterarbeit durfte nur mein Professor sehen und sonst niemand. Da fühlt man sich schon als Teil eines exklusiven Clubs.»

Ist es schwierig, so viele Geheimnisse für sich zu behalten?

Beide antworten einstimmig: Nein. Das weiss man schon bei der Bewerbung.

Stimmt es, dass man in der Champions League der Papierherstellung angekommen ist, wenn man bei Landqart arbeitet?

FL: Wir haben ein Produkt, das weltweit nur wir herstellen können.

AW (nickt): Genau, unser Durasafe-Hochsicherheitspapier. Das Kompositmaterial, bestehend aus Papier-Polymer-Papier, bildet die Basis für einige der weltweit sichersten Banknoten. Die Entwicklung dieses Produkts gemeinsam mit der Nationalbank und die zukunftsweisende Technologie dahinter haben mich hierher gezogen.

Ein Produkt wie Durasafe schlägt die Brücke zwischen Tradition und Hightech. Spiegelt sich das auch in der Arbeitsweise wider?

FL: Meine Lehre war klassische Papiermacherei. Im Studium habe ich mich dann mit Innovationen wie der Nanotechnologie befasst. Bei Landqart kann ich die traditionelle Papierherstellung und meine Faszination für neueste Technologien vereinen. Diese Denke sehe ich im ganzen Unternehmen, indem wir schnell auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren. So ist es in Zeiten von Corona sinnvoll, eine Note auf den Markt zu bringen, die keine Viren überträgt. Deshalb haben wir die CleanNote entwickelt.

AW: Die Langlebigkeit und Treue zum Handwerk spüre ich auch, wenn ich durch die Gänge der Fabrik gehe. Hier arbeiten Menschen, die bereits seit Generationen Papier herstellen. Und viel Handarbeit leisten. Wir sind aber auch grosse Befürworter des Zusammenspiels von digital und analog. Sowohl was unsere Technologien als auch was unser Produkt angeht. Es braucht digitale Zahlungs- und Ausweismöglichkeiten sowie hochwertige und sichere Papierausweise. Genauso braucht es sorgfältige Handarbeit und innovative Hightechmaschinen.

Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie abwechslungsreich Papierherstellung sein kann.

AW: In der Entwicklung von Hochsicherheitspapier hat man mehr Gestaltungsfreiraum, als man vielleicht denkt. Wir halten regelmässig Workshops zur Ideengenerierung und animieren Mitarbeitende aus allen Disziplinen dazu, sich im Entstehungsprozess eines neuen Produkts einzubringen.

FL: In einen Bogen Papier fliessen viele kreative Gedanken. Zwischen meinem Team der Verfahrenstechnik und dem Team der Forschung und Entwicklung pflegen wir eine sehr enge Zusammenarbeit. Wenn ich ein Problem habe, sind alle da. Dann stehen an einer Anlage auch mal plötzlich Menschen aus fünf verschiedenen Abteilungen.

AW: Apropos Abwechslung, wir bauen gerade unsere Anlagen und Räumlichkeiten aus, um die Landqart 2.0 nächstes Jahr an unserem 150-Jahr-Jubiläum zu präsentieren.

Franz, warum sollte ich Papiertechnologin werden?

FL (lacht): Ganz einfach, wir sind eine coole Truppe. Im Schwarzwald gibt es ein Papiertechnologiezentrum, wo alle Deutschen und Schweizer Lehrlinge regelmässig zusammenfinden. Also baut man schon als Lehrling ein kleines Netzwerk von gleichgesinnten Enthusiasten auf. Mit vielen habe ich bis heute noch Kontakt. Und sonst ist es natürlich speziell, mein Wissen in einem Produkt verewigt zu sehen, das weltweit und täglich durch unzählige Hände geht.

Mir gefällt die neue 20-Franken-Banknote sehr gut. Was ist deine Lieblingsbanknote, Franz?

FL: Natürlich eine, die ich mitentwickelt habe. Bei der 50-Dollar-Banknote von den Bahamas habe ich die Methode erarbeitet, um den Sicherheitsfaden in die Note zu bekommen.

Die Bahamas holen sich Papier aus einer Bündner Firma?

AW: Die Bahamas haben keine eigene Druckerei. Und geben jeweils einem kommerziellen Drucker den Auftrag. Der war wiederum Fan von der Festigkeit und Haltbarkeit unserer Schweizer Banknote und wollte seine genauso haben. Das Substrat dafür haben eben nur wir.

Ist das auch Ihre Lieblingsbanknote, Axel Wappler?

AW: Da gibt es nicht nur eine. Ich muss schon mehrere zeigen (er zückt sein Portemonnaie, voller verschiedener internationaler und exotischer Noten). Eine, die mir sehr gut gefällt, ist natürlich die Schweizer 1000-Franken-Banknote. Das Design und die Farbkonfiguration des Violetts sieht auf dem Durasafe einfach Hammer aus. Die Zweite ist auch die 50-Dollar-Note von Bahamas. Der Faden hat einen dreidimensionalen Effekt und der Vogel ändert im Licht die Farbe. Das nennt man Banknote! Und die von Kasachstan. Aber jetzt muss ich aufhören, sonst komme ich aus dem Schwärmen nicht mehr heraus.

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